Die Geschichte der Pullmanwagen der Rhätischen Bahn

Die CIWL (Compagnie Internationale des Wagons-Lits et Grand Express Européens) baute im Jahre 1931 die Pullman-Salonwagen Nr. 103-106 für den «Golden Mountain- Pullman-Express». Es waren die einzigen jemals in Europa gelaufenen Wagen der CIWL in Meterspur.

Ab Mai 1931 fuhr ein neuer Pullmanzug unter dem Namen «Golden Mountain-Pullman- Express» (offenbar hauptsächlich für angelsächsische Kundschaft bestimmt) zwischen Interlaken und Montreux. Diese Strecke zerfällt in zwei Teile - den normalspurigen von Interlaken nach Zweisimmen und den meterspurigen von dort über Gstaad nach Montreux. Die Steigung von Montreux herauf ist mit 72 ‰ wohl eine der steilsten, die ohne Zahnstange bewältigt werden!

Auf der Normalspurstrecke wurde eine Pullman-Couplage der «Süd Express»-Serie eingesetzt. (Couplage = je ein Pullman- Wagen mit und ohne Küche.) Für die meterspurige Strecke mussten aber eigene Fahrzeuge angeschafft werden: Es waren dies sechs Pullman-Wagen der I. und II. Klasse, von denen die Nummern 101 und 102 durch Umbauten aus früheren I.-Klasse-Wagen der «Monteux-Oberland-Bernois» MOB entstanden sind. Die vier anderen Wagen, Nr. 103-106, wurden eigens für diesen Zug von der CIWL bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft SIG in Neuhausen bestellt. Die Wagen unterschieden sich nicht nur durch die Meterspur von anderen Pullmans, sonder auch dadurch, dass I. und II. Klasse in demselben Wagen vereint waren, hier in der Anordnung 1+1, dort 1+2. Mit Rücksicht auf die prachtvolle Hochgebirgslandschaft, die der Zug befuhr, waren die Fenster besonders gross und erkerartig gehalten. Die schönen Intarsien wurden vom Ebenisten René Prou gestaltet, der rund 100 Speise-, Pullman- und Schlafwagen einrichtete.

Der «Golden Mountain-Pullman-Express» war ein Versuch - aber kein Erfolg! Obwohl durch eine der schönsten Schweizer Landschaften fahrend und mit grösstem Komfort ausgestattet, war seine Besetzung schlecht - der finanzielle Erfolg blieb aus. Man hatte einen Zug angekündigt, und wenn die (geographieunkundigen) Gäste aus England oder Amerika den Zug bestiegen hatten, stellt es sich heraus, dass sie mitten auf der Strecke Zug und Wagen wechseln mussten! Anderseits war auch die ganze Strecke viel zu kurz, um das Wagenmaterial (obendrein von «Golden Mountain-Pullman-Express» zweierlei Bauart) rationell ausnutzen zu können. Schon am 15. September 1931, also nach einer einzige Sommersaison, beendete der «Golden Mountain-Pullman-Express» seinen Lauf - trotz Ankündigung wurde er im Mai 1932 nicht wieder in Verkehr gesetzt.

Die Wagen Nr. 101-102 wurden an die MOB verkauft, von dieser dann zeitweise als 1. Klasse, zeitweise für Sonderzwecke verwendet. Nr. 103-106 hat die CIWL anlässlich der internationalen Fahrplankonferenz in Budapest der RhB zum Kauf angeboten. Im Jahre 1939 kam sie zur Rhätische Bahn, wo sie zuerst an die andersartigen Verhältnisse dieser Bahn angepasst werden mussten.

Mit der Abschaffung der 1. Klasse am 3. Juni 1956 wurden sie in manchen Zügen zwischen Chur und St. Moritz, bzw. zwischen Montreux und Zweisimmen als «Salonwagen» mit einem Fahrpreiszuschlag von 3 Franken eingesetzt. Diese Einrichtung wurde bereits 1957 wieder aufgegeben.

Quelle: Dr. Fritz Stöckl, Rollende Hotels, erschienen 1967; Gian Brüngger

 

 

 



Alpine Classic Pullman Express

«Orient-Express der Alpen»

Die Pullman-Flotte hat sich seit ihrer Restaurierung bei der Rhätischen Bahn Ende 1999 einen grossen Kundenkreis erobert. Unter anderem dienten die Wagen als Aushängeschild bei den Jubiläumsfahrten 100 Jahre Albula (2003) und 75 Jahre Glacier Express (2005). Diese Züge erfreuten sich einer grossen Nachfrage und waren zum Teil Monate im Voraus im Nu ausgebucht!

Die RhB-Salonwagen unterwegs auf der Strecke der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Foto: P. Lüthy

Auch für die Rhätische Bahn haben diese Fahrzeuge bei Einsätzen für VIP's einen kaum schätzbaren Prestigewert (z.B. Hillary Clinton anlässlich WEF 1999, Einsatz Eröffnung Vereina, Königin Silvia von Schweden, europäische Verkehrsministerkonferenz vom 14. Nov 2005). Ergänzt mit dem rollenden Restaurant «Gourmino» und dem «Piano Barwagen» würde der «Orient-Express der Alpen»dem grossen Vorbild der ehemaligen europäischen Luxuszüge in nichts nachstehen. Lediglich drei normalspurige Luxuszüge haben den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft und bieten ihren Gästen weiterhin unvergessliche Bahnerlebnisse durch ganz Europa. Es sind dies der «Venice-Simplon-Orient-Express» (VSOE, London), der «Pullman Orient Express» der CIWL (Paris) und der «Andaluz-Express» (Sevilla). Die Pullman- Wagen der RhB stellen als meterspuriges Pendant zu den erwähnten Luxuszügen ein einmaliges Kulturgut auf Schienen dar und gehören zweifellos zu den USP's der RhB.

Good News: Nach 10-jährigem Einsatz werden die wertvollen Pullman- Wagen 2010 einer Auffrischung unterzogen

«Die Rhätische Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, ihrer Kundschaft die Pullman-Wagen weiterhin in guter Qualität und aktiv anzubieten. Um dies zu erreichen, hat sie sich entschlossen, die Wagen 1141 - 1144 und 1161 im Jahr 2010 aufzufrischen. Dafür wurden entsprechende Mittel im Budget eingestellt.»

Diese frohe Botschaft wird all die Gönner erfreuen, die sich vor zehn Jahren mit zum Teil respektablen Beiträgen an der Rettungsaktion der Pullman-Wagen beteiligt haben. Sie werden «ihrem» Alpine Classic Pullman Express somit auch in Zukunft auf dem Meterspurnetz in den Zentralalpen begegnen und mit ihm anlässlich verschiedenster Events hoffentlich auch persönlich unterwegs sein. 


In zwei Tagen vom tiefsten Punkt des grössten zusammenhängenden Schweizer Meterspurnetzes zur höchstgelegenen Bahnstation der Walliser Hochalpen! Im neu restaurierten Alpine Classic Pullman Express von Tirano (429 m) auf den weltberühmten Gornergrat auf 3089 m über Meer!